„Speisende soll man nicht aufhalten“: Topfgucker Patrik über Schnüsch, Kässpatzn und deutsche Fleischeslust

patrick_staeblerDöner, Spaghetti Bolognese, Pizza: Diese Gerichte kennt jedes deutsche Kind. Durch das ganze Weltengebummel können wir Tapas kochen, Thai Curry oder – hüstel – indisches Chutney. Doch deutsche Hausmannskost? Fehlanzeige! Wer von euch kennt Labskaus oder das Rezept von Frankfurter Grüne Sauce?

Patrik Stäbler wollte nach einer Weltreise die Rezepte seiner Heimat genauer kennenlernen und startete eine kulinarische Reise durch die Republik. Per Anhalter natürlich. Seine teils skurrilen Erfahrungen und Begegnungen schildert der 33-Jährige in dem unterhaltsamen Buch Speisende soll man nicht aufhalten: Eine Deutschlandreise über den Tellerrand hinaus (Juni 2013, Rowohlt Ver­lag, 8.99€). Jedes der 16 Kapitel widmet sich einem Bun­des­land, verrät ein lan­des­ty­pi­sches Rezept und seine Entstehungsgeschichte. Vom Stralsunder Fischtopf über die Currywurst bis zum Pfälzer Saumagen.

Wie kamst Du auf die Idee zu der kulinarischen Reise?

Patrik: „Ich war schon immer ein sehr neugieriger Esser – vor allem aber jenseits der deutschen Grenze. So bin ich relativ viel in der Welt herumgekommen und habe in den verschiedenen Ländern stets versucht, die einheimische Küche zu erschmecken. Irgendwann ist mir dann aufgefallen: Die Küche, die du bisher noch überhaupt nicht kennst, ist ausgerechnet die Küche deines Heimatlandes! Beispielsweise hatte ich vor meiner kulinarischen Reise noch nie Labskaus gegessen, noch keinen Saumagen, noch kein Eisbein und noch nie Grüne Soße – also all jene Gerichte, die man gemeinhin mit traditioneller, deutscher Küche assoziiert. Dieses schwarze Loch auf meiner persönlichen Speisekarte wollte ich füllen – und so ist die Idee zu meiner kulinarischen Deutschlandtour entstanden.“

 Was war das ungewöhnlichste Gericht, das Dir kredenzt wurde?

Patrik: „Das ungewöhnlichste, weil überraschendste Gericht war Schnüsch – das Nationalgericht der Region Angeln im Nordosten von Schleswig-Holstein. Dabei handelt es sich um einen Gemüseeintopf, der mit Milch zubereitet wird – also nicht gerade das, was sich man spontan unter deutscher Hausmannskost vorstellt. Trotzdem war dieses Schnüsch köstlich – vielleicht auch, weil ich eine halbe Ewigkeit suchen musste, ehe ich jemanden gefunden habe, der dieses Gericht für mich kocht. Hier der Bericht dazu.

Und das Leckerste?

Patrik: „Das ist die immer wiederkehrende Frage – und ich weiß inzwischen, dass ich darauf keine eindeutige Antwort geben kann. Denn da verhält es sich ähnlich, wie mit der Frage nach meinem Lieblingsgericht: Mal giert mein Magen nach Sushi, mal geht nichts über Mamas Rindsrouladen mit Spätzle, mal lässt ein Teller Bratkartoffeln meinen Gaumen Freudensprünge machen. Will heißen: Mich auf ein einziges Gericht festzulegen, ist schlicht unmöglich. Da aber niemand diese (ehrliche) Antwort hören will, sage ich Folgendes: Die Kässpatzen, die ich im Allgäu gegessen habe, waren schlicht grandios. Für einen Teller davon würde ich auf der Stelle eine meiner Nieren eintauschen. Hier der Bericht dazu.“

Sind wir Deutschen eigentlich wirklich reine Fleischfresser?

Patrik: „Es stimmt schon: Neben Kartoffeln und Kraut ist das Schweinefleisch der wichtigste Eckpfeiler der deutschen Hausmannskost. Hier und da ist mir zwar ein vegetarisches Gericht über den Teller gelaufen – etwa das erwähnte Schnüsch oder die Kässpatzen – aber insgesamt war meine Reise doch sehr fleischlastig. Das war insofern auch eine Herausforderung für mich, als ich daheim in einem Vegetarier-Haushalt lebe. Wohl noch nie habe ich so viel Fleisch gegessen wie in den drei Monaten meiner Reise. Zum Thema vegetarische, deutsche Gerichte fällt mir noch ein: Im September kommt das Buch „Deutschland vegetarisch“ der von mir sehr geschätzte Stevan Paul und Katharina Seiser auf den Markt. Ich bin mal gespannt, welche vegetarischen Gerichte aus der deutschen Küche die beiden ausgegraben haben. Mehr dazu hier.“

Was ist das lokale Lieblingsgericht Deiner Heimatstadt?

Patrik: „Ich lebe in München, und bei der Frage nach dem dortigen Lieblingsgericht komme ich erneut in die Bredouille. Denn ich liebe Schweinsbraten ebenso wie Steckerlfisch, mal lüstet es mich nach Dampfnudeln, und mal muss es eine Biergarten-Brotzeit mit Obatzder, Radi und Brezen sein. Wenn ich aber wirklich nur ein einziges Gericht nennen darf, dann nehme ich an dieser Stelle einfach mal die Weißwurst – drei Stück, frisch vom Metzger, mit zwei reschen Brezen, viel süßem Senf und einem Weißbier am Sonntagvormittag.“

Lieber Patrik, vielen Dank für das Interview!

Speisende_soll_man_nicht_aufhaltenPatriks Buch könnt ihr hier bestellen! Oder erstmal mehr erfahren?

Patrik betreibt außerdem Schmausepost – wenn ihr an interessanten Trends und News aus dem Food-Bereich interessiert seid, tragt euch für den kostenlosen Newsletter ein!

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