So esst ihr richtig gut in Kuba: Zwischen Peso-Küchen und nouvelle cuisine

Peso-Pizza-zum-MitnehmenOha. Furchtbares Essen!“ So die Worte eines Bekannten, als ich von unserem Ferienziel erzählte. Ich bekam leichte Panik. Warum reist man schließlich, wenn nicht für neue Gaumenfreuden? Ein bisschen Rumgegoogel schien die Aussage zu bestätigen: Viele Traveller berichteten von einem Einerlei aus Reis mit Bohnen und muffigem Schweinefleisch. Ach, Du liebes Lieschen, das kann ja heiter werden. Ich versuchte, das Ganze positiv zu sehen: Dann wird’s wenigstens was mit der Bikinifigur. So.

Mein Fazit 16 Tage später: Die Vorurteile sind Kokolores! (und damit ebenso die Bikinifigur) Kubanisches Essen ist zwar nicht thailändisch aufregend oder italienisch dekadent, aber gewusst wo, echt lecker. Das mag vor ein paar Jahren noch anders gewesen sein, denn zurzeit erlebt das Land einen kulinarischen Wandel: Neben den üblichen staatlichen Restaurants mit schlichtem, sozialistischem Flair und den Peso-Küchen an jeder Ecke eröffnen immer mehr Privatrestaurants (Paladares), die neue, kreative Gerichte anbieten. Dies ist aufgrund gelockerter Gesetze möglich. Auf keinen Fall verpassen solltet ihr das Essen in den Casas particular.

Typisch kubanisch

Die ursprüngliche kubanische Küche ist deftig-bäuerlich. Sofern vorhanden, dominiert Fleisch, meist Schwein (cerdo) oder Huhn (pollo). Liebste Beilage der Kubaner ist Reis mit schwarzen Bohnen, gefolgt von heimischen Kartoffelarten, wie die Süßkartoffel (barito), Maniok, Yucca. Sind alle viel leckerer als die deutsche Kartoffel. Scharf sind kubanische Speisen übrigens nie. Zum Nachtisch gibt es Süßes (postres) plus starken, gezuckerten kubanischen Kaffee.

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Kochen in Zeiten des Handelsembargos

Hausfrauen in Kuba stehen vor besonderen Herausforderungen: Anstatt einfach im nächsten Supermarkt sämtliche Zutaten fürs Abendessen zu erstehen, kostet sie die Jagd viel Zeit und Nerven, denn selten ist alles Gewünschte gerade vorhanden und nie ist es an einem Platz zu finden. Regale im Supermarkt sind gähnend leer, manche Lebensmittel nur auf dem Schwarzmarkt zu bekommen. Grund dafür ist vor allem das seit mehr als 50 Jahren geltende US-Handelsembargo (über das übrigens erst vor zwei Tagen die UN-Vollversammlung erneut abstimmte. Mit eigentlich eindeutigem Ergebnis: 188 Stimmen dagegen, zwei dafür. Was die USA aber nicht daran hindert, das Embargo fortzusetzen). Als der Zusammenbruch des Haupthandelspartners Sowjetunion dazukam, rief die Regierung die sogenannte periodico especial (Sonderperiode) aus – die allerdings schon seit 1991 andauert. In den ersten Jahren danach verlor der Kubaner im Schnitt ein Drittel seines Körpergewichts.

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Kulinarischer Wandel

Doch etwas soll sich langsam verbessern, die Kubaner haben es geschafft, Obst und Gemüse, das sie früher teuer importieren mussten, auf den eigenen Feldern zu kultivieren. Ziel soll die Eigenversorgung des Landes sein. So kommen heutzutage auch Spinat, Pak Choi, Karotten oder Kräuter auf den Tisch. Die üblichen Grundnahrungsmittel werden immer noch vom Staat subventioniert. Jedem Kubaner steht eine bestimmte Menge an Zucker, Kaffee, Mehl pro Monat zu, die er günstig über die Libreta (Lebensmittelkarte) erwerben kann.

Essen im Casa particular

Casa particulares sind Unterkünfte bei Einheimischen, eine Übernachtung kostet zwischen 20-30 CUC. Die Gastgeber bieten neben dem Zimmer ein meist vorzügliches Frühstück (5 CUC) und Abendessen (8-10 CUC) an. Morgens gibt es Kaffee, frischen Guave-oder Papayasaft, Weißbrot, Kuchen, Eier, Früchte und – wenn die Versorgung nicht gerade eng ist – Butter und Käse. In Vinales servierte uns die Gastgeberin das Abendessen auf dem Dach des Hauses, die Tafel für zehn Personen bog sich unter dem Gewicht der vielen Speisen. Dazu der fulminante Blick auf Felder und Berge. Schöner habe ich in dem Urlaub nicht gegessen. Meist darf man aus drei Gerichten wählen: Huhn (pollo), Fisch (pescado), Languste (langosta). Dazu gibt es diverse Beilagen, Reis mit Bohnen, frittierte Kochbahnen (platanes), boniato (Süßkartoffel), Maniok oder Yuca. Alle extrem lecker, finde ich.

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Essen in Paladares

Seit ein bis zwei Jahren ist es leichter geworden, als Privatperson ein Restaurant zu führen. Erlaubt war es zwar auch vorher, aber es galten strenge Regelungen, die das Unterfangen erschwerten (z.B. durften nur die eigenen Wohnräume genutzt und Familienangehörige beschäftigt werden). Durch die Lockerungen toben sich kubanische Köche nun aus und eröffnen vor allem in Havanna innovative Paladares. Am besten gefallen hat mir das Castas y tal im Stadtteil Habana centro. Es gab Tapas und Hühnchen-Kichererbsensalat mit Papaya-Dressing. Pro Gericht ca. 6 CUC (ca. 5,50€).

Das Castas y tal in Habana centro

Kreativität bewies auch die Köchin in einem anderen Paladares: Zwar war auf meinem Thunfischsalat sehr wenig Thunfisch (wohl gerade Engpass), aber die überraschende Zusammenstellung mit Weißkohl, Pimientos und Mayonnaise machte das irgendwie wett. Die Kubaner haben eben gelernt, das Beste aus wenigen Mitteln zu machen.

Staatliche Restaurants

Das muffig-schlichte Ambiente lädt nicht gerade ein, aber trotzdem sollte man einmal in einem staatlich geführten Restaurant gegessen haben. Die Speisekarte wird lang sein, aber bei bestimmt der Hälfte der Gerichte wird die Kellnerin entschuldigend den Kopf schütteln: „No hay.“ Gerade nicht vorhanden. Was dann aber auf den Tisch kommt, ist oft lecker. Deftig eben, z.B. Paella, Schweinefleisch, Languste. Kosten pro Gericht: ca. 5 CUC (ca. 4,50€).

Essen in Peso-Küchen

Günstig essen in Kuba: Am Peso Stand

Die günstigste Art in Kuba zu essen, sind die Peso-Küchen. Es sind selten richtige Läden, eher unscheinbare Hauseingänge, aus denen Hamburger, Sandwiches, Kroketten und vor allem Pizza an den Mann gebracht werden. Was heute im Angebot ist, steht an den Holztäfelchen über der Tür. Die Warnungen von vielen Reiseführern vor dem Genuss von Street food solltet ihr in den Wind schlagen: Alles ist stark erhitzt, Keime haben eh keine Chance. In den Läden wird mit Moneda Nacional bezahlt, also habt ein paar Pesos in der Tasche.

Den besten Stand erkennt ihr an der längsten Schlange. Da die Schlange meist eher amorphe Masse als ordentliche Reihe ist, ruft man einfach: „El ultimo?“ (Der letzte) und weiß dann, hinter welcher Person man dran ist. Schlau, ne?

Dulce vita auf kubanisch

Die Kubaner sind Naschkatzen. An jeder Ecke werden dulce, z.B. Kekse (25 Stück für 80 Cent – das ist mein Land!) und Törtchen mit irrsinnig süßen Zuckergüssen verkauft. Kein Scherz: In Havanna laufen Dir jeden Tag mindestens zwei Leute über den Weg, die eine riesige Torte mit allem Pipapo von A nach B transportieren. Obwohl die Straßen voller Schlaglöcher sind, habe ich keinen Tortenslapstick beobachten können. Außerdem sind die Kubaner sind verrückt nach helado, Eis. Wird ebenfalls als selbstgemachtes Street food verkauft, in diversen Geschmacksrichtungen. Der letzte Schrei sind aber Churros, Schmalzkringel mit diversen Toppings. Super lecker!

Churro,-SchmalzkringelDulces-am-StrassenrandKubaner-lieben-heladoKekse-auf-die-Hand

 

Hasta la mojito siempre!

Für ihren Rum und die dazugehörigen Cocktails ist die größte Insel der Karibik ja ohnehin bekannte. Dazu muss ich nicht viel sagen. Höchstens vielleicht, dass Hemingways geliebter Mojito und Daiquiri ebenso wie Cuba libre und Pina Colada an jeder Ecke für wenig Geld zu haben sind (zwischen 0,80-3,50€ pro Drink). Oft auch ToGo!

So. Nun steht einer Reise eigentlich nichts mehr im Weg, oder? Viel Spaß auf Kuba!

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„Speisende soll man nicht aufhalten“: Topfgucker Patrik über Schnüsch, Kässpatzn und deutsche Fleischeslust

patrick_staeblerDöner, Spaghetti Bolognese, Pizza: Diese Gerichte kennt jedes deutsche Kind. Durch das ganze Weltengebummel können wir Tapas kochen, Thai Curry oder – hüstel – indisches Chutney. Doch deutsche Hausmannskost? Fehlanzeige! Wer von euch kennt Labskaus oder das Rezept von Frankfurter Grüne Sauce?

Patrik Stäbler wollte nach einer Weltreise die Rezepte seiner Heimat genauer kennenlernen und startete eine kulinarische Reise durch die Republik. Per Anhalter natürlich. Seine teils skurrilen Erfahrungen und Begegnungen schildert der 33-Jährige in dem unterhaltsamen Buch Speisende soll man nicht aufhalten: Eine Deutschlandreise über den Tellerrand hinaus (Juni 2013, Rowohlt Ver­lag, 8.99€). Jedes der 16 Kapitel widmet sich einem Bun­des­land, verrät ein lan­des­ty­pi­sches Rezept und seine Entstehungsgeschichte. Vom Stralsunder Fischtopf über die Currywurst bis zum Pfälzer Saumagen.

Wie kamst Du auf die Idee zu der kulinarischen Reise?

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So isst man auf Sumatra: „Zum Frühstück Fisch und Reis mit Chili“

Christiane HagnManche Leute machen ja Ernst mit Träumen. Die reden nicht nur, sondern ziehen das Ding durch. Die 31-jährige Christiane Hagn (Foto links) ist so Eine. Um dem Liebeskummer zu entkommen, reiste sie einige Monate durch die Welt. Wie das Leben so spielt, begegnete sie dabei ihrer neuen Liebe: Dem Fischer David. Die beiden hatten nur zehn Tage bis Christianes Flieger nach Berlin ging. Dort angekommen, zögerte sie nicht lange, brach ihre Zelte ab und zog zu David auf die indonesische Insel Sumatra. Seit November lebt sie dort und schrieb ein Buch über ihre Erlebnisse: „Machts gut, Ihr Trottel!“ erscheint in wenigen Wochen bei Eden Books.

Mir hat sie im Interview etwas über indonesische Nationalgerichte und Ess-Traditionen verraten.

Christiane, zum Frühstück gibt es bei Dir Fisch und Reis mit Chili. Ist das ein spezielles Gericht?

Christiane Hagn: „Das Gericht heißt in der Region Aceh „Nasi Guri“. In Medan heißt es wieder anders. Ich hab leider keine Ahnung, was da ganz genau drin ist, nasi-goreng-indonesienaber anbei ein Foto. Es besteht auf jeden Fall aus Reis, gepressten Sojabohnen und je nach Bedarf mit einem in Samba-Chili-Sauce eingelegtem hartgekochten Ei oder Spiegelei („mata sapi“, übersetzt: Kuhauge), oder je nach Wahl eben ein Stück Fisch oder Fleisch. Köstlich. Am besten, wenn man es mit den Fingern isst. Schön Reiskugeln formen und dann mit dem Daumen nachschieben. Und unbedingt nur die rechte Hand benutzen. Das gilt nicht nur für Essen, sondern auch für Übergaben und Berührungen jeder Art. Die linke Hand am besten hinter dem Rücken halten, dann kommt man erst gar nicht in Versuchung.“

Welche Rolle spielen Mahlzeiten in Indonesien, gibt es besondere Traditionen?

Christiane Hagn: „Mahlzeiten und überhaupt „Essen“ spielt eine wahnsinnig große Rolle im Leben der Indonesier. Eine der häufigsten Smalltalkfragen ist: „Hast du schon gegessen?“. Indonesier lieben es, über das Essen zu sprechen und auch gemeinsam zu essen. Wenn man zu einer indonesischen Familie eingeladen wird oder spontan vorbeischaut, bekommt man immer etwas aufgetischt. Gerne sehr süßes Gebäck. Das dann nicht zu essen, wäre sehr unhöflich. Allerdings sollte man erst zugreifen, wenn man aufgefordert wird und der Gastgeber auch zu essen beginnt. „Ziegen Curry“ ist ein traditionelles Gericht für alle besonderen Anlässe. Von Hochzeiten, über Geburtstage bis hin zu Beerdigungen. Während des Ramadans wird von morgens um 5 Uhr bis abends um 19 Uhr weder gegessen, noch getrunken. Da sinkt die Laune ein wenig, vor allem in den ersten Tagen. Ich habe einen Tag versucht, aus Solidarität mit zu machen. Aber ohne Wasser bei dieser Hitze hab ich um 13 Uhr aufgegeben.“

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